2.  Die Angst vor der See und die Notwendigkeit von Ritualen
    - eine Einleitung



 "Rituale sind Versuche, das Unsichtbare - beispielsweise der Vergangenheit und Zukunft, der Zugehörigkeit oder Veränderung des sozialen Rangs - sinnlich erfahrbar und sichtbar zu machen."1 So schreibt es Thomas Macho. Und dort, wo Unsichtbares sichtbar gemacht wird, werden auch Ängste bekämpft oder, semiotisch ausgedrückt: eine Krankheit, die durch ein Symptom angezeigt wird, kann erkannt und behandelt werden.
 Gründe für Ängste gab es in der Seefahrt genug. Meeresungeheuer, Riesenwale, Stromschnellen, unbezwingbare Winde, steile Küsten, treibende Eisberge und das abrupte Ende der Weltscheibe: die See steckte voller Gefahren für unsere Vorfahren, denen unsere modernen Navigations- und Kommunikationsmittel, Messgeräte und Anzeigetechniken noch nicht zur Verfügung standen. Etliche, die damals auf das Meer zogen, kamen nie zurück. So wurde der femme fatale - der See - die treue Gefährtin, das Schiff, entgegengestellt. Angeführt von einer souveränen Galionsfigur am Bug sollte sie die Mannschaft sicher durch den Ozean schieben.







Quellen:
1Thomas Macho: Das zeremonielle Tier: Rituale, Feste, Zeiten zwischen den Zeiten. Bibliothek der Unruhe und des Bewahrens, Band 9. Styria Pichler Verlag: 2004, S.16
2Bildquelle: http://www.spassfieber.de/funpics/dicke-galionsfigur.jpg, (01.02.2010)

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